Kloster Cazis

 

Über uns // Unsere Geschichte

Was 1647 geschah, wiederholte sich 2002 – mit umgekehrten Vorzeichen.

 

REFORMATION. Der zweite Ilanzerbrief von 1526 unterstellt die Verwaltung der Klöster der weltlichen Obrigkeit und verbietet die Aufnahme von Novizen. Damit erlischt das Klosterleben und 1570, nach dem Tod der letzten Augustinerin, wird das Kloster aufgehoben. In den Klosterräumen wohnen anfangs die Schauenstein, später die Planta, schliesslich wird es baufällig und steht leer. Ein Kapuzinerpater schildert: «Das Kloster machte nicht mehr den Eindruck eines Ordenshauses, vielmehr eines Waldes für wilde Tiere. Das morsche Dach fiel zusammen infolge des Alters. Die Klosterhöfe waren voll von Steinen und Trümmern, so dass einem die Tränen kamen beim Anblick.»

17. JAHRHUNDERT BIS HEUTE. 1647 beruft Bischof Johann VI. die Chorfrau Johanna Gauwin aus dem Dominikanerinnenkloster in Bludenz zur Neugründung und Leitung des Frauenklosters Cazis. Johann VI. hat dabei vor allem schulische Absichten. Die kleine Schar von Dominikanerinnen - zu Beginn sind es sechs Schwestern - hat lange Zeit einen Existenzkampf zu führen. Um den Weiterbestand der Gemeinschaft zu sichern, sind die Churer Bischöfe immer wieder genötigt, sich für das materielle Wohl der Schwestern einzusetzen. Dazu führt 1768 ein Brand das Kloster beinahe in den Ruin. 


Bis 1928 gehören die Dominikanerinnen zum zweiten Orden, dann aber, mit der Übernahme neuer Konstitutionen, treten sie in den dritten Orden über. Dadurch ist es der Gemeinschaft möglich, ihren Wirkungskreis ausserhalb der Klausur zu entfalten.


Frühe Photographie des Klosters Cazis (vorne links); im Hintergrund die Ebene mit der Kirche St. Martin


Die Schule St. Catharina, die 1866 eine kurze Blütezeit erlebt hat, wird 1955 neu ins Leben gerufen. So kann die Gründungsabsicht des Bischofs Johann VI. verwirklicht werden, der 1647 mehrfach in seinen Urkunden betont hat, er wolle mit den Dominikanerinnen in Cazis einen Ort für Mädchenbildung in Graubünden schaffen. Diesem Anliegen entsprach auch die langjährige Lehrtätigkeit der Schwestern in den verschiedenen Gemeinden.


Das Kloster Cazis zu Beginn des 20. Jh. 


2002 sind mehrere Schwestern aus dem Kloster Cazis nach Bludenz entsendet worden. Wie das dortige Dominikanerinnenkloster um 1647 den Fortbestand des Cazner Konvents gesichert hat, so kümmern sich heute Schwestern aus Cazis um den Fortbestand des Klosters St. Peter in Bludenz.

 

Von der Reformation

bis zur Gegenwart.

FRÜHMITTELALTER. Vom Anfang des 8. bis ins 10. Jahrhundert ist das Kloster Cazis eine Gemeinschaft von Kanonikalen oder monastischen Nonnen.

Die Mutter des Bischofs Victor II. (um 700) übergibt den Kirchenpatronen Petrus und Paulus das Modell der Cazner Kirche und des Klosters. Gotisches Fresko in der Pfarrkirche Cazis
(um 1500)


Das Stift wird um 700 durch den Churer Bischof Viktor II. gegründet. Cazis ist das erste Frauenstift in Churrätien. Wegen der Abhängigkeit vom Bischofssitz Chur sind die «moniales», wie sie in den Quellen genannt werden, eher Kanonissen oder gemeinschaftlich nach der Aachener Regel von 816 lebende Chorfrauen ohne Gelübde, aber mit einer rechtlichen Bindung an das Stift und die Klausur. Diese Lebensweise ist von 1045 bis 1156 eindeutig bezeugt.

HOCHMITTELALTER. 1156 wird von Bischof Adalgott von Chur das verweltlichte Kanonissenstift in ein reguliertes Kloster umgewandelt.


Äbtissin Margaretha von Reitnau bringt den Aposteln Petrus und Paulus das Modell der damaligen Kloster- und heutigen Pfarrkirche

von Cazis dar. Malerei über dem Haupteingang der Kirche, 1504.


Nur wenige Kanonissen sind laut Urkunde bereit, Augustinerinnen zu werden und sich auf jene strengere Lebensweise zu verpflichten. Das Kloster verfügt über ausgedehnten Güterbesitz und ist insbesondere am Heinzenberg und in Safien der grösste Grundeigentümer. Eine Urkunde aus dem 15. Jahrhundert zeigt, dass die Augustinerinnen aus dem niederen Adel und dem Rittergeschlecht stammen. Dazu kommen die süddeutschen Reitnau, die mehrfach den Äbtissinnenstab führen.

 

Im Früh- und Hochmittelalter.

Frühgotische Holzplastiken aus dem Kloster Cazis (heute im Landesmuseum Zürich): König (Luzius?), Priester Simeon, St. Florinus (von links).


Das Dominikanerinnenkloster Cazis ist mit einem Beitrag der Historikerin Silke Redolfi auch in der Publikation Helvetia Sacra vertreten: Helvetia Sacra IV/5, S. 631-656.