Zur Geschichte des Klosters Cazis

Frühmittelalter - Hochmittelalter - Reformation - 17. Jh. bis heute

Die Klostergeschichte im Überblick


FRÜHMITTELALTER

Vom Anfang des 8. bis ins 10. Jahrhundert ist das Kloster Cazis eine Gemeinschaft von Kanonikalen oder monastischen Nonnen.



Die Mutter des Bischofs Victor II. (um 700)
übergibt den Kirchenpatronen Petrus und Pau-
lus das Modell der Cazner Kirche und des Klos-
ters. Gotisches Fresko in der Pfarrkirche Cazis
(um 1500)

Das Stift wird um 700 durch den Churer Bischof Viktor II. gegründet. Cazis ist das erste Frauenstift in Churrätien.Wegen der Abhängigkeit vom Bischofssitz Chur sind die «moniales», wie sie in den Quellen genannt werden, eher Kanonissen oder gemeinschaftlich nach der Aachener Regel von 816 lebende Chorfrauen ohne Gelübde, aber mit einer rechtlichen Bindung an das Stift und die Klausur. Diese Lebensweise ist von 1045 bis 1156 eindeutig bezeugt.

Eingehendere Informationen:

Guler von Weineck über Bischof Victor

Jacob Simonet über den hl. Victor von Tomils

Regula Di Natale über die
Gründungszeit des Klosters Cazis
Das Fresko
von 1500
reiht auch
die damalige
Äbtissin
Margaretha
von Reitnau
in die Darbringer
des Modells
von 700 ein.


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HOCHMITTELALTER

1156 wird von Bischof Adalgott von Chur das verweltlichte Kanonissenstift in ein reguliertes Kloster umgewandelt.



Äbtissin Margaretha von Reitnau bringt den
Aposteln Petrus und Paulus das Modell der
damaligen Kloster- und heutigen Pfarrkirche
von Cazis dar. Malerei über dem Haupteingang
der Kirche, 1504.

Nur wenige Kanonissen sind laut Urkunde bereit, Augustinerinnen zu werden und sich auf jene strengere Lebensweise zu verpflichten. Das Kloster verfügt über ausgedehnten Güterbesitz und ist insbesondere am Heinzenberg und in Safien der grösste Grundeigentümer. Eine Urkunde aus dem 15. Jahrhundert zeigt, dass die Augustinerinnen aus dem niederen Adel und dem Rittergeschlecht stammen. Dazu kommen die süddeutschen Reitnau, die mehrfach den Äbtissinnenstab führen.
 


Eingehendere Informationen:

Emil Camenisch über das Kanonissenstift

Regula Di Natale über Adalgotts Reform

Jacob Simonet über das 10. - 14. Jh. im Kloster Cazis

Meisterinschrift des Kärntner Baumeisters
Andreas Bühler in der Kirche Cazis.


Frühgotische Holzplastiken aus dem Kloster Cazis (heute im Landesmuseum Zürich): König (Luzius?), Priester Simeon, St. Florinus (von links).

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REFORMATION

Der zweite Ilanzerbrief von 1526 unterstellt die Verwaltung der Klöster der weltlichen Obrigkeit und verbietet die Aufnahme von Novizen.


Schnitzaltar der hl. Anna aus der Wendelinskapelle
in Cazis (heute im Landesmuseum Zürich)

Damit erlischt das Klosterleben und 1570, nach dem Tod der letzten Augustinerin, wird das Kloster aufgehoben. In den Klosterräumen wohnen anfangs die Schauenstein, später die Planta, schliesslich wird es baufällig und steht leer. Ein Kapuzinerpater schildert: «Das Kloster machte nicht mehr den Eindruck eines Ordenshauses, vielmehr eines Waldes für wilde Tiere. Das morsche Dach fiel zusammen infolge des Alters. Die Klosterhöfe waren voll von Steinen und Trümmer, so dass einem die Tränen kamen beim Anblick.»

Eingehendere Informationen:

Jacob Simonet über das 16. Jh. im Kloster Cazis

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17. JAHRHUNDERT BIS HEUTE

1647 beruft Bischof Johann VI. die Chorfrau Johanna Gauwin aus dem Dominikanerinnenkloster in Bludenz zur Neugründung und Leitung des Frauenklosters Cazis.


Johann VI. hat dabei vor allem schulische Absichten. Die kleine Schar von Dominikanerinnen - zu Beginn sind es sechs Schwestern - hat lange Zeit einen Existenzkampf zu führen. Um den Weiterbestand der Gemeinschaft zu sichern, sind die Churer Bischöfe immer wieder genötigt, sich für das materielle Wohl der Schwestern einzusetzen. Dazu führt 1768 ein Brand das Kloster beinahe in den Ruin. 
 

Bild rechts: Bestätigung der Amtsübernahme von Sr. Johanna Gauwin im Kloster Cazis (14. Juli 1647)
 





Bis 1919 gehören die Dominikanerinnen zum zweiten Orden, dann aber, mit der Übernahme neuer Konstitutionen, treten sie in den dritten Orden über. Dadurch ist es der Gemeinschaft möglich, ihren Wirkungskreis ausserhalb der Klausur zu entfalten.
 

Bild links: Frühe Photographie des
Klosters Cazis (vorne links);
im Hintergrund die Ebene
mit der Kirche St. Martin


 
Die Schule St. Catharina, die 1866 eine kurze Blütezeit erlebt hat, wird neu ins Leben gerufen. So kann die Gründungsabsicht des Bischofs Johann VI. verwirklicht werden, der 1647 mehrfach in seinen Urkunden betont hat, er wolle mit den Dominikanerinnen in Cazis einen Ort für Mädchenbildung in Graubünden schaffen. Diesem Anliegen entspricht auch die Lehrtätigkeit der Schwestern in den verschiedenen Gemeinden.


 

Bild rechts: Das Kloster Cazis
zu Beginn des 20. Jh.
 


2002 sind mehrere Schwestern aus dem Kloster Cazis nach Bludenz entsendet worden. Wie das dortige Dominikanerinnenkloster um 1647 den Fortbestand des Cazner Konvents gesichert hat, so sollen sich heute die Schwestern aus Cazis um den Fortbestand des inzwischen fast leer stehenden Bludenzer Klosters kümmern.

Das Dominikanerinnenkloster Cazis ist mit einem Beitrag der Historikerin Silke Redolfi auch in der Publikation Helvetia Sacra vertreten: Helvetia Sacra IV/5, S. 631-656.



Das Kloster in einer Ansicht aus dem Jahr 1803. Titelblatt eines Güterverzeichnisses.
Quelle: CD-ROM «Die Helvetik. Der Anfang der modernen Schweiz.» Aarau: Sauerländer 1998


Eingehendere Informationen:

Das Cazner Pfarrbuch über den Klosterbrand von 1768

Jacob Simonet über das 19. Jh. im Kloster Cazis

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